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November 21, 2011 / wirkollegen

J-Kinder

Sie sind wieder da.
Und ich weiß,  dass sie in 5 Monaten wieder verschwunden sind. Sie treten vermehrt ab November auf und halten sich dann hartnäckig, bis wieder wärmer wird. Fluchtbereit sitzen sie die gesamte Unterrichtsstunde hinter ihren Bänken: die J-Kinder, also Jacken-Kinder.

Es würde mich freuen, wenn es zu diesem Phänomen nachvollziehbare Erklärungen gibt, vielleicht liefert ja der ein oder andere Leser eine. Mich erfüllt es mit einer gewissen Ratlosigkeit. Beschreiben wir das Phänomen genauer:

Jungendliche erscheinen in den Wintermonaten mit einer durchaus der Witterung angemessenen Kleidung in der Schule: dicke Jacke, Mütze, Schal oder Tuch, gerne auch Handschuhe. Nach Betreten der Unterrichtsräume wird die wärmende Hülle allerdings keinesfalls abgelegt (und nein, es handelt sich nicht um eine Schule im Winter 1946). Handschuhe werden gerne anbehalten – auch beim Schreiben. Wenn man ein Mädchen ist, hält man zudem seine TussenSchultasche mit den Händen fest auf dem Schoß. Falls die Tasche eine Umhängetasche ist,  natürlich umgehängt. So sitzt  schwitzt man dann die Unterrichtsstunde  auf seinem Platz vor sich hin.

Kann das schön sein? Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, aber man muss ja nicht mehr alles verstehen, was die Jugend so an Innovationen bereit hält. Wird ein J-Kind gebeten, die Draußenkleidung doch bitte abzulegen, wird jedes Unterrichtsfach kurz zum Deutschunterricht, Einheit „Die mündliche Diskussion“. Ermüdend ist allerdings, dass die Bandbreite der Argumente  recht gering ist:  „Mir ist kalt.“ Mehr kommt nicht.

Falls man ein J-Kind (besonders ein weibliches) dazu bewegt hat, seine Jacke doch abzulegen, fühlt es sich danach regelrecht nackt. Wirklich! Es fühlt sich wirklich unwohl. Allerdings kann ich mich meist ganz gut daran erinnern, wie das betreffende J-Kind im Sommer erschienen ist: da habe ich mich unwohl gefühlt. Hm.
Es sind auch nicht alle Kinder der Klasse J-Kinder, nein. Aber es sind die etwa 30 Prozent, die zu jeder Jahreszeit 90 Prozent der Aufmerksamkeit der Lehrer beanspruchen.

Dickbejackte Schüler sagen uns etwas: Ich will nicht hier sein. Komme gar nicht erst an.  Ich schütze mich. Ich will hier raus, schnell – immer zur Flucht bereit.

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